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Terranon

   

Musik: Peter Schuldt
Text: Thomas Lehnhardt
Erstaufführung: 30. Januar 2002
Neu-Premiere: 9. April 2003
Letzte Aufführung: Kirchentag in Berlin, 29./30. Mai 2003.


Wenn die Erde von allen guten Geistern verlassen wird, dann kommt einer und macht den Rest:

Terranon


Sein Job ist unendlich und er ist unkündbar. Er ist auf Lebenszeit im Dienst und das heißt schon was, denn er ist unsterblich.

Früher, ja, früher einmal... als alles begann, als Gott Himmel und Erde erschuf und erst mal ganz zufrieden war, da war Terranon noch nicht nötig und auch nicht da.

Aber dann fiel Gott bekanntlich noch der Mensch ein...Eigentlich sollte er nur ein Gast auf dem schönen, blauen Planeten sein. ...Einer von vielen.

Er hat sich gründlich daneben benommen und es wird immer schlimmer mit ihm. Denn er vermehrt sich unkontrolliert, ist gewalttätig und wird immer rücksichtsloser.

Er tut, als ob ihm die Welt allein gehöre. Er macht sich alle anderen Gäste, die Tiere und Pflanzen, untertan, er misshandelt, er vernichtet.

Er achtet sie nicht.

Er verschwendet die Schätze der Erde, er vernascht ihr Eingemachtes, er stiehlt ihre ewigen Reserven. Er hat keinen Respekt vor ihrer Not - Ration, er wildert in ihren Vorräten. Nicht mal ihre Tiefkühltruhe ist vor seiner Gier sicher.

Er hat nichts mitgebracht, er nimmt nur und zahlt nicht. Er flegelt sich im Wohnzimmer herum, versaut das Haus der Gastgeberin und bringt die gut geratene Ordnung tödlich durcheinander.

Ein lästiger Gast. Ein überheblicher Gast. Ein überflüssiger Gast.

Die Erde kann gar nicht soviel beben wie sie eigentlich müsste. Sie könnte durchgehend Feuer speien vor Widerwillen. Ihre Tränen lassen Ozeane steigen. Sie hat Atemnot, zum tiefen Durchatmen reicht's ja auch schon lange nicht mehr...

Terranon ist ihr Vollstrecker. Er ist, seitdem es Menschen gibt, ihr Geist für die groben Arbeiten. Sie schickt ihn dorthin, wo's zu schlimm wird. Die Erde will Zeichen setzen, wo sie noch Zeichen setzen kann. Wenn wieder mal irgendwelche Menschen so tun, als hätten sie noch eine zweite Welt im Kofferraum, dann ist Terranon da.

Oh, und er hasst seinen Job!

Wo Terranon ist, brennt die Luft. Da bebt der Boden, das Wasser steigt unaufhörlich, und man kann sehr deutlich riechen, dass es ihm stinkt. Terranon ist unberechenbar, seine Wut zerfetzt, ätzt und lässt flüssigen Teer brodeln! Gegen ihn gibt es noch kein Spray!

Vor seinen Wutausbrüchen zittern Mensch und Tier. Sein Name wird - wenn überhaupt - nur geflüstert...

Mutter Erde hätte das allein nicht hingekriegt - sie ist ja viel zu gutmütig...

Ach ja...da wär' noch was:

Zum Glück - gibt's ja ab und zu auch noch vernünftige Gäste.

Tief im Boden und auch oben drauf..

Zu den vernünftigen Gästen auf der Erde gehört ganz sicher Lucie Lommers. Sie kümmert sich rührend um Pflanzen und Tiere im elterlichen Garten. Aber Lucie hat's schwer: Vater Lommers und Bruder Tim nutzen den Garten als Hinterhof ihrer Reparaturwerkstatt und scheren sich um gar nichts, was Lucie wichtig ist. Öl, Autobatterien und sonstiger Müll wandern einfach in die Büsche und auf den Rasen, der schon lange nicht mehr so richtig wachsen will. Lucie ist geduldig, aber weil auch Mutter Lommers ihr keine Hilfe ist, bleibt ihr Bemühen aussichtslos.
Aber auch unter der Erde stimmt es nicht: Die beiden Wohnungsvermittler Bossi Frosch und Chefchen Frosch gehen ihrer Aufgabe nur sehr fahrlässig nach. Sie feiern lieber auf Parties und tanzen die Nächte durch, sitzen stundenlang verliebt an Lucies Fenster und träumen davon, wie Menschen zu sein. In ihrer Überheblichkeit merken sie nicht, wie ihnen die Kunden, die kleinen Tiere der Erde, davonlaufen. Sie schicken sie in Gebiete des Gartens, in denen schon lange kein Tier mehr leben kann

Es kommt, wie es kommen muss:
Terranon sucht den Garten heim und verursacht ein katastrophales Durcheinander. Überschwemmung, Vulkanausbrüche, flüssiger Teer, faulige Schwefelgase erschüttern nicht nur den Garten sondern auch die Familie Lommers, die immer verzweifelter erkennen müssen, dass ihre Existenz bedroht ist.

Aber auch unter der Erde geht es rund:
Für die lebenslustigen Partyfrösche brechen schwere Stunden an, denn eine Abordnung aller Gartentiere unter Führung der Maulwürfe zwingt sie, sich darum zu kümmern, Terranon wieder zu besänftigen.
Zum Glück haben sie ihren bis dahin völlig unterschätzten Angestellten, Herrn Maus, der im entscheidenden Moment die richtigen Ideen liefert. Mit seinen genialen Einfällen, etwas Zauber, weisen Ratschlägen der Eule Metaxa und vor allem mit der Hilfe der zauberhaften Lucie kommen sie schließlich Terranon näher. Die Reise in sein Wohnzimmer tief unter der Erde wird aber für alle ein Horrorerlebnis, bei dem sogar Verluste zu beklagen sind. Unglaubliche Gefahren und tödliche Bedrohungen lassen die Besucher Terranons schier vor Entsetzen und Angst verzagen...Doch...

Ein Happy End? Nur vielleicht und schon gar nicht so schnell. Aber - Hoffnung gibt es für alle schon. Sogar für Terranon.

Nur - es gibt sie nicht umsonst.

Terranon ist ein ist ein Musical, das die Fantasiewelt der jungen und jung gebliebenen ZuschauerInnen ähnlich wie bei Tabaluga oder dem König der Löwen durch märchenhafte Elemente der Musikerzählung anregt.

Slapstick-Humor, Spielwitz und vor allem junge, frische Musik, die sich unkompliziert an Elementen der Gegenwartsunterhaltung orientiert, machen eine große Thematik unterhaltsam und prägend fassbar.
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